Aus dem Bäcker-Knigge

„Wir haben nur zwei Hände, so einfach ist das!“

Copyright: Ikonoklast Fotografie - shutterstock

Interview mit einer Betriebsrätin aus dem Berliner Bäckerhandwerk

Monika (Name geändert) arbeitet fast zwei Jahrzehnte als Verkäuferin in ei-nem namenhaften Unternehmen im Berliner Bäckerhandwerk. Fast ebenso lang ist sie Gewerkschaftsmitglied und seit einigen Jahren aktive Betriebsrätin.

Monika, was sind bei euch die wichtigsten Probleme und Fragen?

Thema Nr. 1. ist der Personalmangel. Oft fehlen Kolleginnen und es ist schwierig, die Arbeit zu schaffen. Viele sind körperlich ausgelaugt. Auch Mehrarbeit und das Thema freie Tage sind immer wieder ein Problem. Öfters soll auf diese verzichtet werden.

Ein Betriebsrat soll für die Beschäftigten positiv etwas verändern. Wie läuft das bei euch?

Ein großes Problem ist die unbezahlte Mehrarbeit. Oft reicht die Vor- oder Nachbe-reitungszeit nicht aus. In der Filiale bei uns, haben wir das deutlich besser in den Griff bekommen und durchgesetzt, dass die Ar-beitszeit tatsächlich bezahlt wird. Wir haben nicht mehr als zwei Hände, so einfach ist das. Wenn du früher anfängst und alles schaffst, dann rechnen die Chefs damit und sagen: Die brauchen nicht mehr Zeit.

Das hört sich leicht an, ist aber in der Praxis schwierig ...

Dahinter steckt viel Überzeugungsarbeit. Wir sollten es schaffen, alle an einem Strang zu ziehen. Wenn einzelne früher als vorgesehen anfangen, dann ist das unfair den anderen gegenüber. Wenn die Arbeit nicht zu schaffen ist, dann ist das so. Es gibt ja auch die Möglichkeit, den Kunden etwas Anderes anzubieten. Meine Erfahrung ist auch: Die meisten Kunden haben dafür Verständnis. Und wenn ein Kollegin Pause macht und die Frage kommt, können sie nicht mal ihre Kollegin rufen, sage ich: Nein, die macht ihre gesetzliche Pause. Das verstehen die meisten.

Gibt es noch etwas, was du loswerden willst?

Den Verkäuferinnen fehlt oft ein verlässlicher Ansprechpartner seitens des Unternehmens. Hier ist der Betriebsrat wichtig. Nur wenn uns etwas zu Ohren kommt, können wir helfen. Ich sage immer: Ihr müsst euch bei uns melden, damit wir euch helfen können.

Wir versuchen als Betriebsrat sichtbar zu sein. Wir machen Filialtouren und haben eine Zeitung vom Betriebsrat, mit der wir informieren. Im nächsten Jahr wollen wir eine Betriebsversammlung machen und diese attraktiv und interessant gestalten.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg!

Probleme oder Fragen?

Wendet euch an euer zuständiges NGG-Büro (siehe Rückseite) und lasst euch in den Regionen beraten.

Dieser Artikel wurde zuerst im Bäcker-Knigge veröffentlich. Zur aktuellen Ausgabe des Bäcker-Knigges geht es hier. Wer den Bäcker-Knigge in Zukunft bequem nach Hause bekommen möchte, schreibt einfach eine Mail an lbz.ost@ngg.net