Ernährungswirtschaft Sachsen

Offener Brief der Beschäftigten von Sonnländer

Solidaritätsbesuch beim Warnstreik von Frosta am 13.1.2020

Die Beschäftigten der Sonnländer Getränke GmbH in Rötha sind von dem bisherigen Verlauf der Tarifverhandlungen enttäuscht. Deshalb haben Sie einen offenen Brief geschrieben an ihren Arbeitgeber übergeben.

 

 

Offener Brief an die

Sonnländer Getränke GmbH, Standort Rötha

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, Ihre Belegschaft, können Ihr Entsetzen über die Forderung der uns vertretenden Gewerkschaft NGG und der Tarifkommission auf keinen Fall verstehen.

Im Betriebsteil Rötha arbeiten wir das ganze Jahr ohne nennenswerte Unterbrechungen an Sonn-und Feiertagen, sogar an 6 Sonntagen in der Mittelschicht, wie in der BV gefordert. Der uns zustehende Belastungsausgleich wird von Ihnen kassiert, um Minusstunden die durch Annahmeverzug entstehen auszugleichen, was nicht ohne Folgen für die Gesundheit der betroffenen Mitarbeiter bleibt.

Auch im Betriebsteil Rostock wird durch die übermäßig vielen Überstunden oder angehängte 6. Schicht den Mitarbeitern die Freizeit genommen, ein Finanzausgleich kann man nicht mit der Gesundheit der Mitarbeiter gegenüberstellen.

An den kurzen Wochenenden verpufft der Erholungsfaktor ohne Effekt.

Seit Jahren ist kein Lohn-Plus zu verzeichnen und Lohnerhöhungen gleichen kaum die Inflationsrate aus. Daraus resultiert, dass keiner der Kollegen annähernd einen Rentenpunkt im Jahr erreicht.

Mit Übernahme der Betriebe durch die EDEKA gab es in Rostock eine Versammlung und wir wurden als EDEKAner begrüßt.

Wir können uns nicht als gleichwertige EDEKAner fühlen. Den Namen EDEKA haben wir mit Fortschritt und sozialer Fürsorge in Verbindung gebracht. Mit Übernahme der insolventen Großkelterei Rötha GmbH und Elmenhorster Fruchtsaftgetränke GmbH waren unsere Erwartungen sehr hochgesteckt, jedoch wurden wir enttäuscht.

„Was man wirklich gut macht, da schreibt man seinen Namen drauf." Mit diesem Slogan hat EDEKA eine Zeit lang geworben, jedoch zählt er nicht für uns.

Die Zeit ist reif für eine deutliche Steigung unserer Entgelte, wie sie von der NGG gefordert wurde. Ein Abstand von ca. 800 Euro zur Obst- und Gemüseverarbeitenden Industrie in den alten Bundesländern ist für uns nicht hinnehmbar. Unsere Produkte sind von höchster Qualität, mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar besser als die unserer Mitbewerber. Der Preis unserer, in ganz Deutschland vertriebenen, Produkte im Handel unterscheidet sich kaum von denen unserer Mitbewerber.

 

Sie stellen in der Bewertung der ersten Tarifverhandlung die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens in Frage. Damit werfen Sie bei uns gleich 4 Fragen auf:

1.   Wenn das Unternehmen uns nicht ernähren und vor Armut schützen kann, sollen wir uns neu orientieren?

2.   Warum hören wir nur von Kosten und Schäden, aber kaum etwas über Gewinne?

3.   Warum wird im Unternehmen jeden Tag Geld verschwendet, das uns zu Gute kommen könnte?

4.   Warum werden Verbesserungsvorschläge, auch solche mit Einsparpotential, nicht ernstgenommen, ignoriert oder ausgesessen, geschweige denn honoriert? Diese Verbesserungsvorschläge sind doch ein Zeichen der Mitarbeiter, dass Sie Interesse an dem Betrieb haben.

Wir, die Mitarbeiter hier im Unternehmen und die Gewerkschaft haben keine Bitte, sondern eine Forderung, die wir erfüllt haben möchten. Setzen Sie sich mit unseren Forderungen auseinander!

Finden Sie gemeinsam mit den Kollegen der NGG, sowie der Tarif- und Verhandlungskommission einen Weg, damit wir uns gemeinsam auf neue Erfolge konzentrieren können. In Rötha könnte auch die Entgelttabelle neu verhandelt werden, denn diese ist fast 30 Jahre alt. Es wäre ein guter Neuanfang, um gemeinsam etwas zu bewegen und die Fluktuation von Mitarbeitern in andere Unternehmen zu stoppen.

Wir stellen unsere Forderungen nicht, um einmal die Reichsten auf dem Friedhof zu sein. Sondern, um mit unseren Familien, jetzt und im Alter vernünftig zu leben!

Erkennen Sie endlich die Zeichen der Zeit und verwandeln Sie den Dank der Sommerfeste und Weihnachtsfeiern in bare Münze.

P.S.: Wir stehen hinter unseren Produkten, warum stehen Sie nicht hinter uns?