80 Stunden Warnstreik bei Cargill in Riesa

Wir wollen die Lohnmauer einreißen!

Am Dienstagabend sind die Beschäftigten vom Cargill-Ölwerk in Riesa in einen 80-stündigen Warnstreik getreten. Die Beschäftigten von Cargill fordern eine Angleichung ihrer Löhne an das Niveau vergleichbarer westdeutscher Betriebe und Tarifgebiete. Zudem soll die untere Lohngruppe mindestens 12 Euro betragen und die anderen Lohngruppen entsprechend angepasst werden.

„Aktuell nutzen die Arbeitgeber die Corona-Pandemie, um ihre Beschäftigten noch weitere Jahre mit Billiglöhnen abzuspeisen. In den meisten Betrieben hat Corona zu mehr Arbeit und guten Umsätzen geführt. Trotzdem wollen die Arbeitgeber ihren Beschäftigten im Osten weiterhin weniger bezahlen als im Westen. 30 Jahre nach dem Mauerfall ist das ein Skandal!“ erläutert der zuständige Gewerkschaftssekretär Thomas Lißner.

„Cargill in Riesa hat den Ernst der Lage nach wie vor nicht verstanden. So teilte der Arbeitgeber erst kürzlich mit, dass die Löhne in Riesa bereits marktgerecht seien und regionale, wirtschaftliche und wettbewerbsbedingte Gründe zu Gehaltsunterschieden zwischen den Standorten führen würden. Allein eine solche Aussage ist blanker Hohn für die Beschäftigten und zeigt, wie wenig deren Arbeit wertgeschätzt wird!“ ergänzt Lißner.

„Während in anderen Betrieben bereits über die Angleichung verhandelt wird, sollen wir hier weiter für über 700€ weniger im Monat arbeiten, als die Kolleginnen und Kollegen in Salzgitter. Klatschen allein reicht nicht. 30 Jahre nach der Wende wollen wir die Lohnmauer endlich einreißen! Wir erwarten, dass sich jetzt endlich etwas ändert. Andersfalls werden wir weiter streiken. Wir haben es satt!“ ergänzt Marcel Seifert, Mitglied der Tarifkommission von Cargill.

Die 100 Beschäftigten im Cargill-Ölwerk in Riesa stellen Sonnenblumen- und Rapsöl sowie Sonnenblumen- und Rapsschrot her. Hier beträgt der Lohnunterschied rund 750€, verglichen mit dem Cargill-Werk Salzgitter. Das Tarifgebiet der Ernährungsindustrie Sachsen umfasst insgesamt über 1.300 Menschen in einem Dutzend Betrieben. Dazu gehören Unternehmen wie Bautz’ner Senf (Develey), Jägermeister in Kamenz, FRoSTA in Lommatzsch, Sonnländer Getränke (EDEKA) in Rötha, das Unilever Werk Auerbach und die Vandemoortele-Werke in Dommitzsch und Dresden.