Ausbeutung durch Werkvertrag beenden

Der Preis für Billigfleisch: Ausbedutung und Elend

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Hunderte Corona-Fälle in deutschen Schlachthöfen und die ganze Republik diskutiert über das kranke System der Werkverträge in der Fleischindustrie. Auch in Schlachthöfen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt werden nun Corona-Tests durchgeführt, um ggf. bisher unentdeckte Erkrankungen zu finden.

Dabei ist das Problem ein altes. Wir von der NGG weisen seit vielen Jahren darauf hin. Nur geändert hat sich nichts, weil die Politik sich nicht mit den Fleischkonzernen anlegen will. Klar ist: Die miesen Zustände können sich nur ändern, wenn Gesetze und Kontrollen verschärft werden.

Dass die Zustände in deutschen Schlachthöfen unerträglich sind, ist lange bekannt. Seit Jahren prangern wir die beengten und unmenschlichen Unterkünfte der Werkvertragsarbeitnehmer an. Jetzt ist klar: sie sind (leider) ein Infektionsherd 1. Güte. Die meist osteuropäischen Arbeiter können keinen Abstand zueinander halten. Die hygienischen Bedingungen sind oft schlecht.

Ausbeutung und Elend sind der Preis für billiges Supermarkt-Fleisch. Die vorindustriellen Zustände in deutschen Schlachtfabriken müssen ein Ende haben! Dazu brauchen wir bessere gesetzliche Regeln gegen den Missbrauch von Werkverträgen, mehr Mitbestimmung und eine Stärkung von Tarifverträgen. Das Ergebnis wird ein höherer Preis im Supermarkt sein. Aber das Ergebnis wird auch sein: menschenwürdige Arbeitsbedingungen und auskömmliche Löhne. Nach Corona darf es kein ‚weiter so‘ geben!“

Billiges Supermarkt-Fleisch
4,89 Euro für ein Kilo Rinderhack: Mit solchen Preisen werben in dieser Woche Supermärkte – obwohl die Corona-Krise die Herstellung von Fleisch und Wurst eigentlich viel teurer machen müsste. Wohin dieser Preiskampf führen kann, zeigen die jüngsten Corona-Ausbrüche in Coesfeld und anderen Schlachthöfen.

Problem Sammelunterkünfte
Das Testung möglichst aller Mitarbeiter auf den Corona-Virus ist ein guter Schritt. Aber das darf keine einmalige Aktion sein. Es geht hier aktuell um das Virus. Um die Gesundheit der Beschäftigten aber auch künftig zu schützen, muss die Fleischbranche regelmäßig vom Staat kontrolliert werden. Dies muss vor allem wesentlich intensiver geschehen als bislang.

Harte Arbeit
Der Gesundheitsschutz der Beschäftigten ist bei den Ramsch-Angeboten nicht eingepreist – vom Tierwohl ganz zu schweigen. Nach NGG-Informationen hat die Arbeitsbelastung in den Schlachthöfen im Zuge der hohen Fleischnachfrage des Einzelhandels zuletzt stark zugenommen. 12-Stunden-Schichten sind in vielen Betrieben gang und gäbe. Es trifft vor allem die Werkvertragsbeschäftigten aus Osteuropa, die über Subunternehmen angestellt sind. Die lange, körperlich harte Arbeit in der Schlachtung und die Zerlegung geschlachteter Tiere macht die Menschen anfälliger für Erkrankungen und schwäche ihre Widerstandskraft. Auch das ist ein Aspekt, der bei Covid-19-Infektionen nicht unterschätzt werden darf.

Intensive Kontrollen sind nötig
Hinzu kommt die Unterbringung. Während überall Abstandsregeln und Kontaktsperren gelten, wohnen in den Gemeinschaftsunterkünften oft bis zu sechs Osteuropäer in einer 60-Quadratmeter-Wohnung. Dafür zieht die Subunternehmer dann aber jedem Einzelnen auch noch 250 Euro vom ohnehin kargen Lohn ab. Vor allem die Gesundheitsämter müssen deshalb die Unterkünfte von Beschäftigten wesentlich intensiver ins Visier nehmen.

Die Konzerne müssen Verantwortung übernehmen
Die Fleischhersteller stehen in der Verantwortung, auch bei ihren Subunternehmen für faire Arbeitsbedingungen und eine ordentliche Unterbringung zu sorgen. Dabei ist klar: Sicherheit ist nicht zum Nulltarif zu haben. Dumpingpreise können schon deshalb nicht funktionieren. Fleisch darf keine Ramschware sein – nicht in normalen Zeiten und schon gar nicht in der Pandemie.

Aus Werkverträgen müssen reguläre Jobs werden
Um die Zustände in der Fleischwirtschaft dauerhaft zu verbessern, müssen aus Werkverträgen reguläre Jobs werden – bezahlt zu einem fairen Branchenmindestlohn. Außerdem brauchen wir eine bessere Nachunternehmerhaftung, damit prekäre Arbeitsbedingungen und unwürdige Unterkünfte auch beim letzten Subunternehmen ausgeschlossen sind.