Vier Beschäftigte schreiben stellvertretend für 150 Mitarbeiter Offener Brief an HARIBO

01. Dezember 2020

Mit einem offenen Brief hat sich die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) an Haribo-Eigner Hans Guido Riegel gewandt. Darin schildern vier von 150 Beschäftigten, was die Schließung des Standortes für sie bedeuten würde.

„Es geht hier um Menschen, ihre Familien, um Lebensperspektiven. Das Unternehmen kann nicht einfach sagen, zum Jahresende ist Schluss. Wir fordern, dass die Eigentümerfamilie ihre Verantwortung wahrnimmt und Alternativen prüft. So lange muss die Werkschließung aufgeschoben werden“, erklärt Thomas Lißner von der NGG.

Sehr geehrter Herr Hans Guido Riegel,

wir wenden uns mit einem offenen Brief an Sie, weil die Beschäftigten des Haribo-Werkes Wilkau-Haßlau mehr verdient haben als eine kurzfristig verfügte Schließung des Standortes zum Jahresende.

Wie Sie wissen, verbindet den Standort eine mehr als 100-jährige Tradition. Bereits in Zeiten des geteilten Deutschlands wurde hier für Haribo produziert. 1990 stieß der Betrieb zur Haribo-Familie und feiert in diesem Jubiläumsjahr der Deutschen Einheit auch die 30-jährige Unternehmenszugehörigkeit.

Der kurzfristig verfügte Schließungsbeschluss hat die Beschäftigten vor den Kopf gestoßen und zu einem Aufschrei in der Region geführt. Zahlreiche Personen, Politikerinnen und Politiker von der Kommune über die Landes- bis hin zur Bundespolitik wollen den Standort erhalten. Über 14.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet. Sogar DAS Werbegesicht von Haribo mahnt an, die Haltung zu überdenken.

In einem Gespräch der Vertreter der Gewerkschaft und der Unternehmensführung am Freitag haben wir eingefordert, eine verbindliche Perspektive dem Werk und den Beschäftigten über das Jahresende hinaus, zu geben. Wir brauchen Zeit, um nach Alternativen zu suchen. Dazu war die Unternehmensführung nicht bereit. Wir fragen uns: Wie können Sie dies mit ihrer sozialen Verantwortung als Familienunternehmen vereinbaren? Ganze Familien arbeiten in dem Betrieb, teilweise über Generationen. Das Weihnachtsfest steht vor der Tür.

Im Folgenden finden Sie vier persönliche Schicksale: Sie stehen stellvertretend für die etwa 150 Beschäftigten des Betriebes.

Wir fordern Sie auf: Überprüfen Sie Ihre Entscheidung! Die Beschäftigten und ihre Familien brauchen eine verbindliche Perspektive über den 31.12.2020 hinaus! Bis Alternativen geprüft werden, dürfen die Lichter nicht ausgehen. Das schulden Sie den Beschäftigten, den Familien, der Region.

In der Hoffnung auf eine Antwort verbleiben wir mit kämpferischen Grüßen!

Die Gewerkschaft NGG-Ost für die Beschäftigten von HARIBO in Wilkau-Haßlau

Uns wurde in nicht einmal 4 Minuten erzählt, dass Ende dieses Jahres hier Schluss sei und das nicht einmal von Herrn Riegel persönlich!!
Frank, arbeitet mehr als 14 Millionen Minuten für Haribo.
Plötzlich sind wir nicht mehr wirtschaftlich, wo sind die Gelder mit denen man sich 30 Jahre gesundgestoßen hat?
Die Schwestern Ramona (40 Jahre, seit 20 Jahren bei HARIBO, arbeitet in der Kocherei) und Kathleen (33 Jahre, zwei Kinder, arbeitet im Einkauf)
Als ich vor 3 Jahren im Betrieb angefangen hatte, da war ich stolz ein Mitarbeiter in der großen Familie von HARIBO zu sein. Ich hatte Vertrauen in die Firma, sie gab mir Sicherheit. Jetzt, nach nur 3 Jahren, wird mir diese Sicherheit genommen!
Karin, 58 Jahre, verwitwet

Am kommenden Sonntag werden Beschäftigte mit einer Lichterkette zum Betrieb in Wilkau-Haßlau ein Zeichen setzten. Unter dem Motto „Die Lichter dürfen nicht ausgehen!“ wird ab 17:00 Uhr ein Gottesdienst mit anschließendem Lampionumzug zum Werk stattfinden. Die Veranstaltung wird unter die Corona-Auflagen durchgeführt.

6. Dezember | 17 Uhr | Gottesdienst und Lichterspaziergang zum Werk | Markt Wilkau

Hier kannst du das Plakat in A4 runterladen und hier in A3!

 
Hintergrund

Die Unternehmensleitung hatte die Beschäftigten am 6. November auf einer Belegschaftsversammlung über die Schließungsabsicht in einem kurzen Statement informiert und den Betrieb nach weniger als 5 Minuten anschließend verlassen, ohne den Beschäftigten die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen. Im Betrieb arbeiten 150 Beschäftigte. Ein erster Verhandlungstermin zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat blieb ohne Ergebnis. Das Werk ist der einzige Standort von Haribo im Osten der Republik. Hier wurde bereits zu DDR-Zeiten für Haribo produziert.