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Die Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe bewerten ihre Ausbildungsbedingungen Unattraktive Ausbildungsbedingungen sind Nährboden für „Fachkräftemangel“ und „Gaststättensterben“

09. März 2020

Die Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe bewerten ihre Ausbildungsbedingungen noch immer deutlich kritischer als Auszubildende anderer Branchen. Das veröffentlicht die zuständige Fachgewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit ihrem „Gastronomiereport 2019“ anlässlich der am Samstag stattfindenden Ausbildungsmesse JOBSNAP 2020 in Berlin. Eine Sonderauswertung, die Einblick in das Stimmungsbild zu den Ausbildungsbedingungen einer Branche gibt, deren Situation widersprüchlicher nicht sein könnte.

Hierzu erklärt die zuständige Gewerkschaftssekretärin der Region Berlin-Brandenburg, Manuela Scholz: „Dem Klagelied der Arbeitgeber des sogenannten „Fachkräftemangels“ und des „Gaststättensterbens“ stehen weiterhin die kritischen Bewertungen der Auszubildenden zur Ausbildungsqualität entgegen“. Arbeitszeiten, Überstunden und Arbeitsbelastung – es gibt keinen Bereich, in dem das Hotel- und Gaststättengewerbe nicht schlechter abschneidet, im Vergleich zu anderen Berufen:

  • Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Auszubildenden beträgt rund 42 Stunden.
  • Mehr als jede/r zweite Auszubildende leistet regelmäßig Überstunden, deren Anteil damit mehr als doppelt so hoch ist, wie in anderen Berufen.
  • Die Zahl der geleisteten Überstunden ist überdurchschnittlich hoch: 17% gaben an, 10 oder mehr Überstunden pro Woche zu leisten.

„Das Alarmierende daran, dies zeigt sich unverändert in allen Jahren seit der ersten Befragung für den DGB-Ausbildungsreport 2013“, so Scholz. „Fast ein Viertel der Befragten geben sogar an, sie würden die Ausbildung im eigenen Betrieb nicht weiterempfehlen. Das ist ein klares Statement junger Menschen, die nicht das Gefühl haben, in einer wertgeschätzten Branche zu arbeiten“. Die Gewerkschafterin macht deutlich, die Auszubildenden seien die Fachkräfte von morgen und wer das nicht begreife, dürfe sich nicht beklagen, dass offenbar eine ganze Branche an den Folgen schlechter Arbeitsbedingungen kränkelt. Aus Sicht der Gewerkschaft erfordert es mehr Verantwortung und Verbindlichkeiten der Ausbildungsbetriebe. Das gelte sowohl für die Einhaltung von gesetzlichen Schutzbestimmungen, als auch bei der Geltung von Tarifverträgen in dieser Branche.

Ansprechpartnerin für die Presse: Manuela Scholz, 0151/64905134

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