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Familien brauchen planbare Arbeitszeiten

Deshalb muss der 8-Stunden-Tag bleiben:
23. Temmuz 2026

Den Job und den „Rest des Lebens“ unter einen Hut bringen: In den neuen Bundesländern gibt es für rund 187.500 Kinder unter 3 Jahren einen Kitaplatz. Die Betreuungsquote liegt damit nach Angaben der amtlichen Statistik bei gut 56,4 Prozent. „Das ist zu wenig. Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, sagt Uwe Ledwig von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). 

So liege der durchschnittliche Bedarf, den Eltern bei der Betreuungsquote von Unter 3-Jährigen in den ostdeutschen Bundesländern haben, bei 63 Prozent. Die NGG beruft sich dabei auf eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI). 

Erhebliche Probleme sieht die Gewerkschaft jetzt auf Eltern zukommen. Grund sind Pläne der Bundesregierung, das Arbeitszeitgesetz zu ändern und den 8-Stunden-Tag abzuschaffen: 

„Wenn das passiert, dann bricht für Eltern jede Planung bei der Kinderbetreuung zusammen. Denn dann kann ein Arbeitstag auch mal zwei oder sogar dreieinhalb Stunden länger werden. Mit Verlässlichkeit, die Eltern dringend brauchen, hat das nichts mehr zu tun“, sagt Uwe Ledwig. Denn eine verlässliche Betreuung sei gerade für berufstätige Eltern wichtig. 

Meistens sind Kita- und Arbeitszeiten schon jetzt auf Kante genäht – also eng miteinander abgestimmt: Wer sein Kind in der Kita hat, der muss es auch pünktlich wieder abholen, bevor die Kita schließt. Aber wenn der Chef demnächst aus einem 8-Stunden-Tag einen Arbeitstag mit 10 oder 12 Stunden am Stück machen kann, wird es für Familien nahezu unmöglich, ihren Alltag verlässlich zu planen“, sagt Uwe Ledwig. Am Ende beeinträchtige das sogar die Berufstätigkeit der Eltern. 

Kritisch werde das auch für die Pflege: „Wer sich zu Hause – zum Beispiel in enger Absprache mit Pflegediensten – um Angehörige kümmert, kann alles gebrauchen, aber keinen XL-Arbeitstag“, sagt der Landesbezirksvorsitzender des NGG Landesbezirk Ost. Auch bei der Pflege gelte: „Verlässlichkeit ist das A und O“, so Uwe Ledwig. Schon deshalb sei die von der Bundesregierung geplante Aufweichung des 8-Stunden-Tages „Gift für alle, die im Moment alles daransetzen, den Spagat zwischen Job und Familie zu schaffen“. Betroffen seien hier vor allem Frauen: 51 Prozent von ihnen gaben, so die NGG, bei einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung (Index Gute Arbeit) des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an, sich zu Hause um Angehörige – gerade um Kinder oder Ältere – zu kümmern. Bei den Männern seien es 41 Prozent. Schon heute hätte gut ein Fünftel aller Beschäftigten häufig Probleme, Familie und Job zeitlich zu vereinbaren. Bei alleinerziehenden Frauen seien dies aktuell sogar 42 Prozent.

„Sollte Schwarz-Rot jetzt den 8-Stunden-Tag abschaffen und bei der Wochenarbeitszeit ein Höchstlimit von 48 und in Ausnahmefällen sogar bis zu 73,5 Stunden setzen, würde die Bundesregierung damit echte Probleme für viele Familien im Osten provozieren – im Job und in der Familie“, warnt NGG-Landesbezirksvorsitzender Uwe Ledwig. 

Dabei suchten nicht nur das Gastgewerbe und das Lebensmittelhandwerk, sondern auch viele Betriebe der Nahrungsmittelindustrie händeringend qualifiziertes Personal. „Den Arbeitskräftemangel in diesen Betrieben lösen wir nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kita-Plätze“, so Uwe Ledwig. Außerdem seien längere Arbeitstage auch eine Gefahr für die Gesundheit: „Nach 8 Stunden im Job steigt das Unfallrisiko immer mehr an. Nach 12 Stunden ist es sogar doppelt so hoch wie bei einem regulären 8-Stunden-Tag“, so Ledwig. Aber auch Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout könnten die Folge von zu langen Arbeitstagen sein. 

Mehr Infos unter: https://www.ngg.net/themen/mit-macht-fuer-die-8

 

Übersicht: Betreute Kinder von unter 3 Jahren und Betreuungsquoten

Bundesland

Elterlicher Bedarf von U3-Kitaplätzen - Länderebene (DJI-Kinderbetreuungsreport)Kinder
(Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Deutschland)
Betreuungsquote
(Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Deutschland)
Prozent (voll)AnzahlProzent
11Berlin

60

49.200

49,4

12Brandenburg

65

29.800

58,7

13Mecklenburg-Vorpommern

65

18.200

60,5

14Sachsen

61

43.900

54,3

15Sachsen-Anhalt

63

24.400

59,2

16Thüringen

64

22.000

56,2

Ostdeutsche Bundesländer

Durchschnitt 63

Summe 187.500

Durchschnitt 56,4

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Deutschland und DJI-Kinderbetreuungsreport

 

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