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Gegen Billiglohn-Ost und spätere Altersarmut

Große Streikwelle in der Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt
29. április 2026

Anlässlich der am 30. April stattfindenden dritten Tarifverhandlung in der Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt ruft die Gewerkschaft NGG in zahlreichen Betrieben des Tarifgebietes zu Arbeitsniederlegungen auf. Bereits am gestrigen Dienstag legten die Beschäftigten des Tiernahrungsherstellers Deuka in Könnern für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

Am heutigen Mittwoch beginnen erneute Streiks in den Betrieben der Schwarz-Gruppe, diese versorgen die Lebensmittelmärkte LIDL und Kaufland. Beschäftigte des Erfrischungsgetränkehersteller MEG in Leißling und in Jessen sowie der Großbäckerei Bonback Halle legen die Arbeit bis zu 56 Stunden nieder. (genaue Streikzeiten und Treffpunkte am Ende der Pressemitteilung). Weitere Betriebe folgen.

Der Arbeitgeberverband weigert sich bisher ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen und will die Löhne in 2026 erst sechs Monate verspätet nur um 2,8% erhöhen. Auf das Jahr ist das damit nur eine Erhöhung von 1,4% und das bei der steigenden Inflation. Damit würden auch die Lohnabstände von bis über 1.000 Euro zu westdeutschen Schwesterbetrieben oder vergleichbaren Tarifgebieten bestehen bleiben oder sich gar vergrößern. Viele Beschäftigte verdienen kaum mehr als Mindestlohn und drohen später in Altersarmut zu rutschen.

So eine Streikwoche gab es noch nie in der Ernährungswirtschaft in Sachsen-Anhalt. Weitere Betriebe stehen in den Startlöchern. Die Unternehmen müssen ihr Angebot nachbessern und endlich die Ungleichheit bei der Bezahlung zwischen Ost und West beenden

Viele Beschäftigte treibt es aufgrund der niedrigen Verdienste auch die Angst vor Altersarmut vor die Tür,“ sagt Uwe Ledwig, Verhandlungsführer und Vorsitzender der NGG Ost.

Die NGG informiert die nächsten Tage über den Streikverlauf und den Eintritt weiterer Streikbetriebe. Bei einer möglichen Ausweitung der Streikmaßnahmen über die nächsten Wochen steht die Lieferfähigkeit der Unternehmen in Frage.


Weitere Betriebe des Tarifgebietes, das über 3.000 Beschäftigte in 15 Betrieben umfasst: Großbäckerei Ditsch in Oranienbaum, Rotkäppchen Sekt in Freyburg, Burger Knäcke und Hasa in Burg, Freiberger in Osterweddingen, Gaensefurther Schlossbrunnen in Hecklingen (Hassia-Gruppe), die Deutsche Tiernahrung Cremers neben dem Standorte Könnern noch den Standort Herzberg sowie die Schokoladenfabrik Wergona in Wernigerode und das Majoranwerk MAWEA in Aschersleben.
 

Historie

Nach zwei Verhandlungsrunden mit dem Arbeitgeberverband der Ernährungswirtschaft (VdEW Niedersachsen/Bremen und Sachsen-Anhalt) liegt erneut kein verhandlungsfähiges Angebot vor. Bereits in der ersten Verhandlung erklärten die anwesenden Arbeitgeber deutlich, dass sie nicht bereit sind, die Löhne in ihren „Ostbetrieben“ auf Westniveau zu heben.

Dazu erklärt Uwe Ledwig, Vorsitzender der NGG im Osten und Verhandlungsführer für die Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt:

 „Noch immer – 36 Jahre nach dem Mauerfall – betragen die Lohnunterschiede zu westdeutschen Schwesterbetrieben oder vergleichbaren Branchen in den 16 Betrieben und über alle Lohngruppen zwischen 273 Euro bis 2.274 Euro im Monat. Die Mauer aus Beton stand 28 Jahre. Die Lohnmauer soll nach dem Willen dieser Arbeitgeber somit wohl noch im Jahr 2099 bestehen“. 

In der ersten Verhandlung boten die Arbeitgebervertreter – bei bis zu 6 Monaten ohne Erhöhung – in vier Schritten (jeweils zum 01.07. der Jahre 2026 bis 2029) 2,8%, 2,7%, 2,5% und 2% an. Die Laufzeit des Vertrages sollte 4 Jahre bis 4 Jahre und 3 Monate betragen. 

Das heutige Angebot blieb unverändert, lediglich der Abstand zum Mindestlohn von 13,90 Euro soll um 10 Cent – aber auch erst zum 01.07.2026 – erhöht werden. Damit liegt das Angebot deutlich unter den Abschlüssen der Vergleichsbetriebe

Ledwig weiter: „Das kann nur auf absolutes Unverständnis stoßen und muss für viele Beschäftigten wie ein „Knüppel auf den Kopf“ wirken und es widerspricht ihren wohlfeilen Worten. Angeblich gibt es für sie kein Ost und West mehr. Beim Lohn aber definitiv schon und es gibt keinen Willen, daran etwas zu ändern.


Zum Hintergrund: Zum Tarifgebiet gehören insgesamt 15 Betriebe mit gut 3000 Beschäftigten. Davon unter anderem 4 Betriebe (3x MEG und Bonback) der Schwarz – Produktionsgruppe (Lidl, Kaufland) mit gut 800 Beschäftigten, Ditsch, Rotkäppchen Sekt, Burger Knäcke, Freiberger und Hasa (Südzucker AG), Füngers (Wernsing-Gruppe), Schlossbrunnen Gaensefurther (Hassia-Gruppe), 2 Betriebe Deutsche Tiernahrung Cremers, Wergona und Maewa Aschersleben.

Diese Betriebe sind in 6 verschiedenen Tariftabellen aufgespalten. Die vereinbarten Stundenlöhne differieren im Ecklohn (Facharbeiter) zwischen 16,00 Euro bis 18,66 Euro. Die Einstiegslöhne liegen zwischen 13,07 Euro bis 13,77 Euro

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