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Abschiedsveranstaltung Eberswalder Wurst

Motto „Tradition endet – Solidarität bleibt“
17. февруари 2026

Protest gegen Fleischbaron Tönnies – Nachbesserungen gefordert

Am vergangenen Sonnabend demonstrierten gut 400 Menschen auf der Gedenkveranstaltung für das Eberswalder Fleischwerk in Britz, das vom Fleischriesen Tönnies geschlossen wird. Dabei brachten sie ihren Protest gegen den respektlosen Umgang mit der ostdeutschen Traditionsmarke und den gekündigten Beschäftigten zum Ausdruck – und erhoben klare Forderungen.

Zum Protest unter dem Motto „Tradition endet – Solidarität bleibt“ hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufgerufen. Trotz Schnee und Kälte übertraf die Teilnehmerzahl die Erwartungen deutlich. Ziel war es, den Menschen, die im Fleischwerk arbeiten und gearbeitet haben einen würdigen Abschied zu geben. Das Fleischwerk hat über Jahrzehnte die Struktur der Region mitgeprägt, zeitweise Tausenden Menschen ein Einkommen verschafft, Kühlschränke mit Würstchen und die Herzen der Menschen in der Region mit Stolz gefüllt hatte.

Doch von den Rednern auf der Bühne und den Teilnehmenden im Publikum wurden nicht nur Erinnerungen laut – sondern auch knallharte Forderungen an das Unternehmen und die Politik. Die Wut der Versammelten traf zuvorderst Clemens Tönnies, den Milliardär hinter dem Konzern, der die Schließung des Werks vorantreibt, nachdem er es erst 2023 erworben hatte. Über 300 Menschen unterschrieben eine Petition der NGG, in der gefordert wurde, der Milliardär Tönnies solle deutlich höhere Abfindungen und einen angemessenen Härtefonds finanzieren. 

Doch auch an die Politik wurde in die Pflicht genommen. Denn dass Abfindungen so niedrig ausfielen, war überhaupt erst möglich geworden, weil der Gesetzgeber ein „Schlupfloch so groß wie ein Scheunentor" gelassen hatte, wie NGG-Gewerkschaftssekretär Veit Groß beklagte. Dass auch Großkonzerne sich in den ersten vier Jahren nachdem sie einen Betrieb übernehmen im Falle der Stilllegung eines Betriebs leicht um Abfindungen herumdrücken können, sei eine Einladung zum „Kaufen und Schließen“

Und schließlich wurde auch eine neue Forderung laut: Ein „ernsthaftes Dankeschön in einem würdigen Rahmen“, so rief NGG-Landesbezirksvorsitzender Uwe Ledwig den Versammelten zu, sei wohl das Mindeste, was die Beschäftigten verdient hätten. Es könne nicht sein, dass die Gewerkschaft das finanziere und nicht derjenige, der die Menschen auf die Straße setzte.


 

Vergangene Meldungen:

Die Entscheidung des Tönnies Konzerns, die „Eberswalder“ Wurstwerke in Britz nur zweieinhalb Jahren nach der Übernahme stillzulegen, rief unter den Beschäftigten und in der Öffentlichkeit Entsetzen und Unverständnis hervor. Über 500 Menschen werden auf die Straße gesetzt, eine jahrzehntelange ostdeutsche Tradition sang- und klanglos abgewickelt. 

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gibt mit einer Veranstaltung am Samstag, dem 14.02.2026, den Beschäftigten und Bewohnern von Eberswalde die Möglichkeit, Abschied zu nehmen - und auch ihre Wut zum Ausdruck zu bringen

„Wenn eine lange Tradition endet, ist das ein schmerzlicher Verlust. Und wenn wir einen Verlust erleiden, hilft es immer, sich mit den anderen zusammenzufinden, die in derselben Situation sind“ sagt Uwe Ledwig, Vorsitzender der NGG im Landesbezirk Ost. „Das ist der Sinn jeder Trauerfeier und nach Jahrzehnten von Freud, Leid und Kampf in den Eberswalder Wurstwerken halten wir eine solche nun für mehr als angemessen. Damit zollen wir der Leistung der Beschäftigten den Respekt, welcher ihnen vom Tönnies vorenthalten wurde.

Symbolisch um Fünf nach Zwölf soll die Veranstaltung vor dem – bald ehemaligen – Werkstor beginnen. Bei Würstchen und Getränken soll der gemeinsamen Erlebnisse gedacht und ein Stück Eberswalder Regionalgeschichte verabschiedet werden. 

Doch nur Ruhe und innere Einkehr ist nicht zu erwarten: „Viele sind auch zu Recht wütend, erinnert NGG-Mann Ledwig: „Wütend auf die nicht eingehaltenen Versprechungen des Tönnies-Konzerns, die sich als Luftnummer entpuppten. Wütend darauf, nach jahrzehntelanger Lohnzurückhaltung nun mickrige Abfindungen zu bekommen. Wütend auf das rücksichtslose Profitstreben, das abermals Tradition und harte Arbeit in den Schatten stellte. Wütend auf eine ohnmächtige Landespolitik, die Hilfestellungen verweigerte und dann Krokodilstränen vergoss. Und wir sind sicher, dass auch das zum Ausdruck kommen wird“

Zur Trauerfeier: 

Die Veranstaltung beginnt am 14.02.2026 um 12.05 Uhr am Werkstor (Joachimsthaler Str. 100, 16230 Britz). Es wird solange der Vorrat reicht, Wurst vom Grill und Heißgetränke geben. Die Veranstaltung ist öffentlich, um eine Anmeldung mit Nennung der Teilnehmerzahl unter region.berlin-brandenburg@ngg.net wird gebeten.

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Die Geschäftsleitung der zu Tönnies gehörenden Eberswalder Wurstwerke hat bekannt gegeben, dass der ostdeutsche Traditionsbetrieb zum 28. Februar 2026 geschlossen wird. Über 500 Menschen verlieren ihren Job. Die Gewerkschaft NGG kritisiert die rücksichtslose Rendite- und Marktbereinigungspolitik des Fleisch-Milliardärs auf dem Rücken der Beschäftigten und rechtliches Schlupfloch bei Betriebsschließungen.

Aus ostdeutschen Kühlschränken sind die „Eberswalder Würstchen“ seit Jahrzehnten nicht wegzudenken, stolz prangt das „Eberswalder“-Logo über der Punktetafel beim 1. FC Union Berlin in der Alten Försterei. Über 550 Menschen in der Region verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung der Traditionsprodukte. Mit all dem soll nun Schluss sein: Die Zur Mühlen Gruppe – Teil des Fleisch-Giganten Tönnies – hat angekündigt, den Betrieb stillzulegen. Das Unternehmen hatte den Betrieb erst 2023 übernommen.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zeigt sich empört, aber wenig überrascht:

 „Diese rücksichtslose Politik des Aufkaufens und Dichtmachens passt in das Bild, das die Tönnies-Gruppe abgibt: Den Menschen wurde beim Kauf vollmundig eine Zukunft des Werkes versprochen. Das Gegenteil ist der Fall, Tönnies entpuppt sich als Totengräber der Tradition“, meint Uwe Ledwig, der Vorsitzende des NGG-Landesbezirks Ost.

„Von den versprochenen Investitionen war weit und breit nichts zu sehen. Es wurde zweieinhalb Jahre auf Verschleiß gefahren und nun werden die Leute auf die Straße gesetzt. Das ist nichts anderes als Marktbereinigung. Tönnies sichert sich so Marktanteile und seine dominante Stellung in der deutschen Fleischbranche - auf dem Rücken der Beschäftigten“, so die NGG weiter.

Der Betriebsrat hat in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber über einen Sozialplan eine gewisse Abfederung für die Beschäftigten geschaffen. Doch diese sei laut Uwe Ledwig unzureichend. Durch die schamlose Ausnutzung eines rechtlichen Schlupflochs bei der Übernahme 2023 habe die Zur Mühlen Gruppe den Betriebsrat in den Verhandlungen nun unter Druck setzen können, indem sie argumentierte, dass sie zum Abschluss eines Sozialplans gar nicht verpflichtet sei.

Das Aus für das Eberswalder-Wurstwerk ist für Ledwig deshalb auch ein Signal an die Politik: „Der Betriebsrat hat hier versucht zu retten, was zu retten war. Doch wie oft müssen wir mit ansehen, wie Großkonzerne Konkurrenz-Betriebe kaufen und dann kurz darauf die Menschen ohne ordentliche Abfindung auf die Straße setzen? Wenn das, was hier passiert ist, erlaubt ist, gehört es verboten! Wer Industrie-Arbeitsplätze erhalten will, muss solchen Missbräuchen einen Riegel vorschieben“.

Hintergrund:

Seit 2023 gehört das Fleischwerk in Britz der „zur Mühlen Gruppe“, der Wurstwarensparte des Fleisch-Giganten Tönnies. Hier stellen über 500 Beschäftigte unter anderem Wurst der ostdeutschen Traditionsmarke „Eberswalder“ her. Das Werk blickt auf eine lange Geschichte zurück, es war zu DDR-Zeiten eines der größten Fleischwerke Europas mit über 3.000 Beschäftigten. 

Zum rechtlichen Schlupfloch bei Betriebsübernahme: Nach § 112a Betriebsverfassungsgesetz sind „Betriebe eines Unternehmens in den ersten vier Jahren nach seiner Gründung“ von der Anwendung eines Sozialplans ausgenommen. Die Übernahme von Eberswalder durch Tönnies erfolgte im Jahr 2023, das Unternehmen am Standort existiert aber schon Jahrzehnte.

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