You are here:
NGG Appell gegen Abschaffung vom 8-Stunden-Tag


Rund 206 Millionen Stunden haben Beschäftigte im vergangenen Jahr allein in Ostdeutschland zusätzlich gearbeitet. Davon 110 Millionen Überstunden zum Nulltarif – ohne Bezahlung. Das geht aus dem „Arbeitszeit-Monitor“ hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gemacht hat.
Allein in Hotels und Gaststätten in Ostdeutschland leisteten Köche, Kellnerinnen, Barkeeper & Co. im vergangenen Jahr rund 4,4 Millionen Überstunden. Das hat das Pestel-Institut auf Basis einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit ermittelt. Die Wissenschaftler haben dabei für den Osten bundesweite Durchschnittswerte von Arbeitszeiten in der Gastronomie herangezogen. Demnach waren 52 Prozent aller in den ostdeutschen Bundesländer geleisteten Überstunden in Hotels, Restaurants, Gaststätten und Biergärten unbezahlt. „Berechnet man für die ‚Überstunden zum Null-Tarif‘ nur den gesetzlichen Mindestlohn, dann kommt dabei eine Summe von rund 28,8 Millionen Euro heraus. So hoch war also mindestens das ‚Lohn-Geschenk‘, das die Gastro-Beschäftigten den Hoteliers und Gastronomen in Ostdeutschland 2024 gemacht haben“, sagt Uwe Ledwig, Vorsitzender des Landesbezirks Ost der NGG.
Die Gewerkschaft warnt: Der Überstundenberg dürfte demnächst noch größer werden. Grund seien Pläne der Bundesregierung, die Arbeitszeit neu zu regeln: „Schwarz-Rot will eine wöchentliche Höchstarbeitszeit und den 8-Stunden-Tag abschaffen. Betriebe könnten von ihren Beschäftigten dann verlangen, auch zehn, elf oder in der Spitze sogar 12 Stunden und 15 Minuten pro Tag zu arbeiten“, sagt Uwe Ledwig.
Die NGG schlägt Alarm: Schon jetzt betrage die maximale Arbeitszeit 48 Stunden pro Woche. In der Spitze seien sogar 60-Stunden-Wochen möglich. Das sind Extrem-Arbeitswochen. Selbst wenn so ‚Hammer-Wochen‘ innerhalb eines Vierteljahres ausgeglichen werden müssen. Doch noch schlimmer wird es, wenn die Bundesregierung jetzt tatsächlich ans Arbeitszeitgesetz Hand anlegt und den 8-Stunden-Tag kippt. Dann würde nämlich nur noch das europäische Recht ein Wochen-Limit für die Arbeitszeit setzen. Und das wäre brutal: Arbeitgeber könnten ihre Beschäftigten dann sogar zu 73,5-Stunden-Wochen verdonnern – nämlich zu sechs Tagen à 12 Stunden und 15 Minuten im Job. Das wäre fast das doppelte Wochen-Pensum von heute – und damit Arbeitszeit-Stretching pur.
Die Gewerkschaft warnt, viele Arbeitgeber würden das hemmungslos ausnutzen. Es drohen dann völlig überladene Arbeitswochen, bei denen man die Stunden, an denen man nicht schläft, fast komplett im Job oder auf dem Weg zur Arbeit verbringt. Das macht Menschen dann aber fix und fertig. Außerdem würde dabei ein Riesenberg an Überstunden auflaufen. Und ans Abfeiern der Überstunden ist oftmals nicht zu denken.
Die NGG spricht von einem „Arbeitszeit-Monopoly“ der Bundesregierung. Für Beschäftigte bedeutet das: Arbeiten bis ans Limit – und darüber hinaus. Die Gewerkschaft hat dabei die Gesundheit der Beschäftigten im Blick, aber auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Nach acht Stunden Arbeitszeit steigt die Gefahr von Arbeitszeitunfällen rasant an. XXL-Arbeitstage bedeuten auf Dauer eine Belastung für den Körper und für die Psyche: von Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen bis zum Burnout“, so die NGG.
Außerdem im Fokus der Gewerkschaft: Wer die Familie, den Beruf und die Pflege von Angehörigen unter einen Hut bringen müsse, brauche vor allem eines – planbare und verlässliche Arbeitszeiten. Und die müssten auch zu den Betreuungszeiten von der Kita und vom Hort passen. Wer holt die Kinder dort ab, wenn die Schicht zwölf Stunden geht?
Die geplante Aufweichung des 8-Stunden-Tages geht in die falsche Richtung. Schon heute jonglierten Familien zwischen Job, Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen. „Längere Arbeitstage verschärfen die Probleme und verhindern eine gerechte Verteilung von Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Pflege. Denn obwohl sich viele Väter wünschen, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, wird durch noch längere tägliche Arbeitszeiten das Alleinverdienermodell gestärkt“, warnt Gewerkschafter Ledwig. Anstatt das Fachkräftepotential von Frauen zu nutzen, verhinderten XXL-Schichten eine echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die NGG appelliert daher an die Bundestagsabgeordneten, dem „Herumschrauben am Arbeitszeitgesetz in Berlin einen Riegel vorzuschieben“. Schon jetzt seien flexible Arbeitszeiten im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes und durch Tarifverträge, die die NGG abgeschlossen habe, für viele Beschäftigte Alltag. „Noch mehr Flexibilität ist gar nicht nötig“, so die Gewerkschaft.
Gemeinsam noch stärker
Rund 180.000 Mitglieder sind wir schon in der NGG. Aber wir wollen mehr werden: je mehr wir in der Gewerkschaft sind, desto stärker sind wir.
Deine NGG im Landesbezirk Ost
Wir sind, wo Du bist - mit einem Büro in Deiner Nähe. Wir stehen Dir gerne mit Rat und Tat zur Seite. Finde ein NGG-Büro in Deiner Nähe: