Tarifverhandlungen vertagt Berliner Gastronomie: Noch keine höherern Löhne gegen Fachkräftemangel

29. Oktober 2021

Die Tarifverhandlungen über einen neuen Tarifvertrag für die rund 50.000 Beschäftigten im Berliner Hotel- und Gaststättengewerbe haben am gestrigen Donnerstag, dem 28. Oktober stattgefunden. Dabei kam es zu einer ersten Annäherung zwischen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und dem Arbeitgeberverband DEHOGA. Eine Einigung konnte noch nicht erzielt werden. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat eine armutsfeste untere Lohngrenze von 13 Euro gefordert. Die übrigen Löhne sollen entsprechend erhöht werden und die Ausbildungsvergütungen um monatlich 200 Euro steigen. Das letzte Angebot der Arbeitgeber lautete:

  • Zum 01.01.2022 steigen die Entgelte in den beiden niedrigsten Entgeltgruppen auf 12 €/h (+13,6 bzw. +9,4 Prozent)
  • Die Entgeltgruppe 4 steigt auf 12,50 €/h (+4,3 Prozent)
  • Alle anderen Entgelte steigen um 4 Prozent
  • Zum 01.10.2022 steigen Löhne und Gehälter über alle Entgeltgruppen um weitere 6 Prozent
  • Die Azubivergütungen steigen jeweils zum Februar 2022 und 2023 um 50 € über alle Ausbildungsjahre
  • Ergebnisoffene Verhandlungen zum Mantel- und Rahmentarifvertrag
  • Laufzeit des Tarifvertrages bis 30.06.2023

Dieses Angebot ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Angesichts der Laufzeit relativieren sich allerdings die Angebote zur Entgelterhöhung. Die Verhandlungen sollen am 10. November 2021 fortgeführt werden. „Wir hatten von den Arbeitgebern ein deutliches Signal in Richtung Zukunft, Wertschätzung und Anerkennung für die Gastro-Beschäftigten erwartet. Dies muss sich auch im Geldbeutel niederschlagen“, sagt Sebastian Riesner, Geschäftsführer der NGG-Region-Berlin- Brandenburg. Der Gewerkschafter weiter: „Ohne deutliche Lohnerhöhung stimmen die Beschäftigten weiter mit den Füßen ab und der personelle Aderlass in der Branche dauert an. Wir hoffen, die Arbeitgeber erkennen die Zeichen der Zeit! Der Weg ist beschritten aber das Ziel noch nicht erreicht“.

Hintergrund:


Im Sommer letzten Jahres arbeiteten insgesamt noch gut 90.000 Menschen in den Hotels und Gaststätten der Hauptstadt. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Aber mit der Abwanderung von Beschäftigten stoßen viele Gastronomiebetreiber in ihrem Geschäftsbetrieb an ihre Grenzen.

Wie eine Auswertung von Arbeitsmarktdaten ergeben hat, liegen die Einkommen der Gastro Beschäftigten in Berlin 43 Prozent unterm Schnitt. Beschäftigte aus dem Gastgewerbe, die eine Vollzeitstelle haben, kommen in der Hauptstadt auf ein mittleres Monatseinkommen von aktuell nur 1.988 Euro brutto. Zum Vergleich: Branchenübergreifend liegt der Median bei Vollzeit in Berlin bei 3.484 Euro.