1 Euro mehr Lohn in der Stunde nach über 3 Wochen Streik Happy End für Riesa Nudeln, die Bänder laufen wieder!

08. September 2021

Nach über 3 Wochen durchgängigen Streiks beim Nudelhersteller Teigwaren Riesa, ist der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ein Tarifabschluss gelungen. Danach steigen die Stundenlöhne innerhalb der kommenden sieben Monate um einen Euro in der Stunde. Für eine Vollzeitkraft erhöht sich der Monatslohn damit um 173 Euro. In der untersten Tarifgruppe steigen die Löhne um 10,1%, in der Verpackung, wo der größte Anteil der Beschäftigten arbeitet, um 8,7%, für Anlagenfahrinnen und Anlagenfahrer um 7,6%. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31.8.2022. Anschließend wird über weitere Lohnerhöhungen neu verhandelt.

„Dieser Abschluss kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit viel Durchhaltewillen und Solidarität hat sich die Belegschaft das Lohnplus erkämpft. Davor kann man nur den Hut ziehen. Der Landesvorsitzende Ost der Gewerkschaft NGG, Uwe Ledwig, hofft, dass dies im Osten Schule macht. „Um aus dem Niedriglohn heraus zu kommen, hilft nicht allein der gesetzliche Mindestlohn. Noch bestehende Lohnunterschiede zwischen Ost und West müssen Stück für Stück abgebaut werden. Das geht nur mit einer starken Gewerkschaft und aktiven Mitgliedern, die ihre Interessen selbst in die Hand nehmen,“ so Ledwig weiter. „Die Mauer aus Beton stand 28 Jahre, die beim Lohn und den Arbeitsbedingungen steht nun schon 31 Jahre -  viel zu lange.“

Die Einigung gelang an dem Tag, an dem sich eine Delegation von Streikenden aus Riesa nach Trochtelfingen, dem Standort des Mutterhauses ALB-Gold aufgemacht hatte. Teigwaren Riesa wurde 1993 von ALB-GOLD übernommen, 2019 unternehmensrechtlich ausgegliedert und gehört aber weiterhin der Unternehmerfamilie Freidler. Gesellschafter sind die Söhne André und Oliver Freidler.

Hintergrund:

Beim Nudelhersteller Teigwaren Riesa arbeiten derzeit etwa 150 Beschäftigte. Das Unternehmen ist führender Markenhersteller in Ostdeutschland und wurde in den 1990er Jahren von dem schwäbischen Unternehmen ALB-GOLD gekauft. 2019 erfolgte eine eigenständige Ausgliederung, Eigentümerin ist weiter die Unternehmerfamilie Freidler.

Die Lebensmittelgewerkschaft NGG forderte bei dem Nudelproduzenten Teigwaren Riesa deutliche Lohnerhöhungen. Gegenüber Nudelproduzenten in Westdeutschland bestehe eine Lohnlücke von über 700 Euro im Monat. Diese will die NGG schrittweise schließen und mit dem Unternehmen über erste Schritte verhandeln. Bisher lag die unterste Lohngruppe bei Riesa Nudeln nur bei einem Stundenlohn von 9,94 Euro und damit lediglich 34 Cent über dem derzeitigen Mindestlohn. Viele Beschäftigte erhalten einen Stundenlohn bis zu 11,50 Euro. Etwa 80% der Beschäftigten erhalten einen Stundenlohn von 13 Euro oder weniger, welcher die Niedriglohnschwelle darstellt.