Nicht Prinzen küssen! Kröten zählen! Podiumsdiskussion am Weltfrauentag

25. Februar 2021

Mehr Gewerkschaft. Mehr Gleichstellung. Mehr denn je! 

Frauen verdienen weniger, leisten mehr unbezahlte Arbeit in der Familie, arbeiten häufiger in Teilzeit und bekommen am Ende unseres Erwerbslebens fast 50 Prozent weniger Rente. Altersarmut ist in Deutschland weiblich. Corona hat die Ungerechtigkeiten zwischen Frauen und Männern noch weiter verschärft. Geschlossene Kitas und Schulen bedeuten für uns Frauen zusätzliche Belastungen und zusätzlichen Druck, Arbeit, Schulunterricht und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen.

Der Dank muss jetzt auch auf dem Lohnzettel ankommen.  Dass man etwas verändern kann, haben die Beschäftigten im Bäckerhandwerk in Berlin und Brandenburg mit ihrem neuen Tarifvertrag gezeigt. Gerade auch in Pandemiezeiten. Die Entgelte steigen durch den aktuellen Tarifabschluss für Facharbeiter in Produktion und Verkauf um 8,7 bis 14,33%. Die stärksten Lohnerhöhungen gibt es im Verkauf, wo besonders viele Frauen arbeiten. 

Anlässlich des Weltfrauentags wollen wit mit unserem Gästen zu den folgenden Themen sprechen: 

 Themen:

- Nachwuchsförderung

- Fachkräftemangel

- Entgeltgleichheit im Bäckerhandwerk

Gäste:

Nicole Lischak, Vorsitzende Betriebsrätin Schäfer's Vertrieb

Claudia Tiedge, Stellvertretende Vorsitzende NGG

Dr. Elke Breitenbach, Senatorin für Arbeit,Berlin

Christa Lutum, Obermeisterin Bäckerinnung Berlin

Das  Podium findet statt am 08.03.2021 , 13:00 bis zirka 14:00 Uhr und wird auf unserem Youtube-Kanal live übertragen.

Im Nachgang könnt ihr euch die Podiumsdiskussion auf Youtube oder unserer Facebook Seite anschauen.


Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) höhere Löhne und mehr Tarifbindung für die Beschäftigten im ostdeutschen Bäckerhandwerk.

Frauen erhalten in Deutschland noch immer rund 19 Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Das ist nicht hinnehmbar. Engeltgleichheit ist ein Muss für Gleichstellung. Solange Frauen so viel weniger verdienen als ihre Kollegen, so lange gibt es keine Gleichstellung,“ so Uwe Ledwig, Vorsitzender der NGG im Osten.

Gerade im Bäckerhandwerk ist diese Ungleichheit deutlich spürbar. So beträgt der Lohnunterschied zwischen der Lohngruppe „Produktion“ und der Lohngruppe „Verkauf“ oft mehrere Euro pro Stunde. Am Monatsende kommen so schnell einige hunderte Euro Lohndifferenz zusammen. Aktuell fallen über 90% der Vollzeit als Verkäufer*innen tätigen Beschäftigten in Ostdeutschland in den Niedriglohnbereich, haben also weniger als 2.267€ zur Verfügung.

Wer sein Leben lang in der Bäckereifiliale hinter der Theke steht, darf weder heute noch später im Alter in Armut leben. Niedriglöhne führen zu Altersarmut. Unser Ziel ist, dass Armutslöhne der Vergangenheit angehören“, ergänzt Elisa Rabe, Landesbezirksfrauensekretärin der NGG Ost.

Eine der Ursachen für die noch immer hohen Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen im Bäckerhandwerk sieht Ledwig in der fehlenden Tarifbindung in Ostdeutschland: „Einzig in Berlin und Brandenburg haben wir aktuell einen gültigen Flächentarifvertrag für das Bäckerhandwerk. Mit dem Abschluss verringert sich die Lohnlücke zwischen Verkauf und Produktion deutlich, was für viele Frauen ein ordentliches Lohnplus bedeutet.“ Rabe ergänzt: „Tarifverträge helfen bei der Gleichstellung. In Betrieben mit Tarifvertrag ist der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern rund 10% geringer.“.

Umso bedauerlicher ist es, dass sich die anderen ostdeutschen Verbände weigern, Tarifverhandlungen aufzunehmen. Gerade für die Innung in Sachsen ist das ein Armutszeugnis. Dies ist der Heimatverband des Präsidenten des Zentralverbands Michael Wippler, der sonst gerne die Bedeutung der Sozialpartnerschaft betont.