Streikende planen Besuch im Mutterwerk in Baden-Württemberg, falls es zu keiner Einigung kommt Tarifverhandlungen bei Teigwaren Riesa wieder aufgenommen

30. August 2021

Riesa, 30. August 2021

Die Streiks der vergangenen Wochen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Erstmals seit Mitte Juli kommen die Tarifparteien am Mittwoch wieder an dem Verhandlungstisch zusammen. Das Unternehmen war zuvor auf die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zugekommen.

 „Wir erwarten konstruktive Verhandlungen über die Ziele der Beschäftigten: Weg von Niedriglöhnen und ein Einstieg in die Lohnangleichung! Der Termin darf kein Alibitermin sein. Die NGG-Tarifkommission hat in Abstimmung mit den Streikenden die Zielstellung der Beschäftigten dem Unternehmen mitgeteilt und darüber wollen wir ernsthaft verhandeln“, sagt Olaf Klenke vom NGG-Landesbezirk Ost.

Der Streik wird unterdessen fortgesetzt. Die Streikenden haben abgestimmt, diesen solange fortzusetzen, bis es einen neuen Tarifvertrag mit Unterschrift gibt.

Sollten die neuaufgenommenen Verhandlungen in dieser Woche zu keinem Ergebnis führen, planen die Streikenden zum Sitz der Muttergesellschaft ALB-GOLD ins schwäbische Trochtelfingen (Landkreis Reutlingen) zu fahren.

Hintergrund: 

Seit Montag befinden sich die Beschäftigten in der dritten Streikwoche. Die NGG setzt auf eine Nadelstichtaktik und ruft einzelne Abteilungen und Schichten, je nach Lage im Betrieb, zum Streik auf.

Die Lebensmittelgewerkschaft NGG fordert bei dem Nudelproduzenten Teigwaren Riesa deutliche Lohnerhöhungen. Gegenüber Nudelproduzenten in Westdeutschland bestehe eine Lohnlücke von über 700 Euro im Monat. Diese will die NGG schrittweise schließen und mit dem Unternehmen über erste Schritte verhandeln. Derzeit liegt die unterste Lohngruppe bei Riesa Nudeln nur bei einem Stundenlohn von 9,94 Euro und damit lediglich 34 Cent über dem derzeitigen Mindestlohn. Viele Beschäftigte erhalten einen Stundenlohn bis zu 11,50 Euro. Etwa 80% der Beschäftigten erhalten einen Stundenlohn von 13 Euro oder weniger. Die Tariferfolge bei anderen Lebensmittelbetrieben geben nach Ansicht der NGG die Richtung vor. Damit wird die noch bestehende Lohnlücke deutlich verkleinert. In beiden Fällen kam es davor zu Streiks.

Beim Nudelhersteller in Riesa arbeiten etwa 150 Beschäftigte. Der Betrieb ist eine Tochter des Teigwarenherstellers Alb-Gold aus Baden-Württemberg. Die Gewerkschaft NGG hatte vor zwei Jahren mit mehreren 24 Stunden-Streiks erstmals in dem Unternehmen einen Tarifvertrag durchgesetzt.