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Aus für Eberswalder Würstchen

Tönnies setzt für Marktbereinigung 500 Menschen auf die Straße
6. Januar 2026

Die Geschäftsleitung der zu Tönnies gehörenden Eberswalder Wurstwerke hat bekannt gegeben, dass der ostdeutsche Traditionsbetrieb zum 28.Februar 2026 geschlossen wird. Über 500 Menschen verlieren ihren Job. Die Gewerkschaft NGG kritisiert die rücksichtslose Rendite- und Marktbereinigungspolitik des Fleisch-Milliardärs auf dem Rücken der Beschäftigten und rechtliches Schlupfloch bei Betriebsschließungen.

Aus ostdeutschen Kühlschränken sind die „Eberswalder Würstchen“ seit Jahrzehnten nicht wegzudenken, stolz prangt das „Eberswalder“-Logo über der Punktetafel beim 1. FC Union Berlin in der Alten Försterei. Über 550 Menschen in der Region verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung der Traditionsprodukte. Mit all dem soll nun Schluss sein: Die Zur Mühlen Gruppe – Teil des Fleisch-Giganten Tönnies – hat angekündigt, den Betrieb stillzulegen. Das Unternehmen hatte den Betrieb erst 2023 übernommen.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zeigt sich empört, aber wenig überrascht:

 „Diese rücksichtslose Politik des Aufkaufens und Dichtmachens passt in das Bild, das die Tönnies-Gruppe abgibt: Den Menschen wurde beim Kauf vollmundig eine Zukunft des Werkes versprochen. Das Gegenteil ist der Fall, Tönnies entpuppt sich als Totengräber der Tradition“, meint Uwe Ledwig, der Vorsitzende des NGG-Landesbezirks Ost.

„Von den versprochenen Investitionen war weit und breit nichts zu sehen. Es wurde zweieinhalb Jahre auf Verschleiß gefahren und nun werden die Leute auf die Straße gesetzt. Das ist nichts anderes als Marktbereinigung. Tönnies sichert sich so Marktanteile und seine dominante Stellung in der deutschen Fleischbranche - auf dem Rücken der Beschäftigten“, so die NGG weiter.

Der Betriebsrat hat in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber über einen Sozialplan eine gewisse Abfederung für die Beschäftigten geschaffen. Doch diese sei laut Uwe Ledwig unzureichend. Durch die schamlose Ausnutzung eines rechtlichen Schlupflochs bei der Übernahme 2023 habe die Zur Mühlen Gruppe den Betriebsrat in den Verhandlungen nun unter Druck setzen können, indem sie argumentierte, dass sie zum Abschluss eines Sozialplans gar nicht verpflichtet sei.

Das Aus für das Eberswalder-Wurstwerk ist für Ledwig deshalb auch ein Signal an die Politik: „Der Betriebsrat hat hier versucht zu retten, was zu retten war. Doch wie oft müssen wir mit ansehen, wie Großkonzerne Konkurrenz-Betriebe kaufen und dann kurz darauf die Menschen ohne ordentliche Abfindung auf die Straße setzen? Wenn das, was hier passiert ist, erlaubt ist, gehört es verboten! Wer Industrie-Arbeitsplätze erhalten will, muss solchen Missbräuchen einen Riegel vorschieben“.

Hintergrund:

Seit 2023 gehört das Fleischwerk in Britz der „zur Mühlen Gruppe“, der Wurstwarensparte des Fleisch-Giganten Tönnies. Hier stellen über 500 Beschäftigte unter anderem Wurst der ostdeutschen Traditionsmarke „Eberswalder“ her. Das Werk blickt auf eine lange Geschichte zurück, es war zu DDR-Zeiten eines der größten Fleischwerke Europas mit über 3.000 Beschäftigten. 

Zum rechtlichen Schlupfloch bei Betriebsübernahme: Nach § 112a Betriebsverfassungsgesetz sind „Betriebe eines Unternehmens in den ersten vier Jahren nach seiner Gründung“ von der Anwendung eines Sozialplans ausgenommen. Die Übernahme von Eberswalder durch Tönnies erfolgte im Jahr 2023, das Unternehmen am Standort existiert aber schon Jahrzehnte.

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