You are here:
Lohnmauer durchbrochen
Der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist gestern für zahlreiche Betriebe der Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt ein Tarifabschluss zur Angleichung der Löhne an das Niveau des Tarifgebiets Niedersachsen/Bremen gelungen. Dem Abschluss gingen zahlreiche Streiks in fast allen Betrieben voraus.
Etwa 2.300 Beschäftigte in knapp einem Dutzend Betrieben können sich über deutliche Lohnerhöhungen freuen. Durch einen Anpassungsmechanismus werden bis 2032 bestehende Lohnunterschiede von 16 bis 35 Prozent vollständig oder in größeren Teilen abgebaut. Je nach Betrieb beträgt die monatliche Lohnlücke für Facharbeiterinnen und Facharbeiter derzeit noch 500 Euro bis 1.000 Euro.
„Der Abschluss ist gegen starke Widerstände aus dem Arbeitgeberlager errungen worden. Nötig war der Druck durch zahlreiche Streiks“, erklärt Uwe Ledwig, Vorsitzender des Landesbezirks Ost der NGG Ost. Der Gewerkschafter weiter: „Der Abschluss ist mehr als überfällig. Bis zu 1.000 Euro monatlich weniger Lohn für die gleiche Arbeit darf es über 30 Jahre nach der deutschen Einheit nicht mehr geben. Das wird jetzt geändert. Endlich. Bitte mehr davon.“
Höhere Löhne gibt es für Beschäftigte zahlreicher bekannter Lebensmittelhersteller wie die Sektkellerei Rotkäppchen (Freyburg), die Brezelbäckerei Ditsch und den Feinkosthersteller Füngers (beides Oranienbaum) sowie die Pizzabäcker Hasa (Burg) und Freiberger (Osterweddingen). Auch Beschäftigte kleinerer Standorte wie des Tiernahrungsherstellers Cremer/Deuka in Könnern und Herzberg profitieren von dem Abschluss. Eine Ausnahme macht das Unternehmen Burger Knäcke, das den Weg in der Tarifgemeinschaft nicht mitgehen will. Die Gewerkschaft berät mit ihren Mitgliedern das weitere Vorgehen.
Der Tarifvertrag sieht vor, dass neben einer bereits zum 1. Juli 2026 erfolgten Lohnsteigerung von 3,5 % in zahlreichen Betrieben im Dezember eine weitere Erhöhung zwischen 1,2 % und bis zu 2,0 % stattfindet. Ab dem kommenden Jahr werden dann immer zum 1. Juli des Jahres die vereinbarten prozentualen Tariferhöhungen im Tarifgebiet Obst/Gemüse/Mineralwasser Niedersachsen/Bremen übernommen. Dazu erfolgt eine zusätzliche Erhöhung um den Anpassungsbetrag von 1,75 %. Bis 2032 werden abhängig von den Unternehmen so bestehende Lohnunterschiede komplett oder fast vollständig abgebaut.*
Bereits einen Monat zuvor war der NGG ein ähnlicher Abschluss für die Produktionsbetriebe des LIDL-Kaufland-Konzerns in Sachsen-Anhalt gelungen. Für die Beschäftigten des Getränkeherstellers MEG in Leißling, Roßbach und Jessen sowie der Großbäckerei Bonback in Halle erfolgt die Angleichung schon ein Jahr früher bis 2031.
Die langwierige Tarifrunde über mehrere Monate war von dem stärksten Streikgeschehen in der Branche seit der Wende geprägt. Zahlreiche Betriebe streikten zum ersten Mal. Eine Petition „Lohnmauer einreißen“ zur Unterstützung des Anliegens fand über 120.000 Unterstützer. Das zeigt, dass es ein Thema ist, das viele Menschen in Ost und West umtreibt.
*Details zum Tarifvertrag: Der Tarifvertrag enthält verschiedene Tariftabellen. Der Großteil der Betriebe befindet sich inzwischen in der obersten Tabelle 1.5c. Diese Tabelle wird schrittweise bis 2032 im Ecklohn (100 %-Gruppe) auf das Tarifniveau des Tarifgebiets Niedersachsen angeglichen (Abstand heute: 16 %). Die Betriebe Füngers Feinkost (Oranienbaum) und Deutsche Tiernahrung Cremer (Standorte Herzberg und Könnern) befinden sich in niedrigeren Tariftabellen. Hier wird die Lohnlücke verkleinert, aber nicht vollständig geschlossen. Im Gegensatz zum Betrieb Ditsch, der einen Sprung in die oberste Tariftabelle macht, waren diese beiden Betriebe dazu nicht bereit. Sie zementieren eine (wenngleich kleinere) Lohnmauer. Damit besteht dort am Ende des Tarifvertrags im Jahr 2032 auch 42 Jahre nach dem Mauerfall weiter eine Lohnmauer. Die Mauer stand 28 Jahre.
Betroffene Betriebe des Tarifgebietes Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt:
Die Rotkäppchen-Mumm Sektkellerei in Freyburg, vier Betriebe der LIDL-Kaufland-Gruppe: Großbäckerei Bonback Halle sowie die Werke des Getränkeherstellers MEG Leißling, Jessen und Roßbach (alles Schwarz-Produktion), die Brezelbäckerei Ditsch und der Feinkosthersteller Füngers in Oranienbaum, die Pizzahersteller Freiberger in Osterweddingen und Hasa in Burg (beide Südzucker), die Deutsche Tiernahrung Cremers mit den beiden Standorten Könnern/Herzberg, die Wergona Schokoladenfabrik in Wernigerode, der Getränkeproduzent Gaensefurther Schlossbrunnen GmbH & Co.KG, der Knäckebrot-Hersteller Burger Knäcke in Burg und das MAWEA Majoranwerk in Aschersleben.
Gemeinsam noch stärker
Rund 180.000 Mitglieder sind wir schon in der NGG. Aber wir wollen mehr werden: je mehr wir in der Gewerkschaft sind, desto stärker sind wir.
Deine NGG im Landesbezirk Ost
Wir sind, wo Du bist - mit einem Büro in Deiner Nähe. Wir stehen Dir gerne mit Rat und Tat zur Seite. Finde ein NGG-Büro in Deiner Nähe: